Ein Prompt, zwei Minuten, zwölf Folien mit Bildern und sauberem Layout – das funktioniert im September 2026 wirklich. Was du danach vor dir hast, ist allerdings ein Gerüst, keine Präsentation: Deine Zahlen, dein Argument und die Reihenfolge, in der es beim Publikum klickt, liefert kein Modell. Hier findest du die Tool-Landschaft mit Preisen und der praxisentscheidenden PowerPoint-Frage, zwei Workflows mit Beispiel-Prompts und die Fehler, die man KI-Folien beim Vortrag sofort ansieht.
Zwei Minuten fürs Gerüst – der Rest bleibt deine Arbeit
Der Moment, in dem ein Generator aus drei Sätzen ein fertig aussehendes Deck baut, ist beeindruckend. Der Moment vier Tage später, in dem du vor zwölf Leuten stehst und merkst, dass Folie 6 hübsch ist, aber nichts sagt, ist es nicht. KI übernimmt die Formarbeit – Gliederung, Layout, Bildauswahl, Textrohbau. Die Denkarbeit bleibt bei dir.

Zuverlässig machen die Tools aus einem Thema eine plausible Kapitelfolge, verdichten Fließtext zu Stichpunkten und bauen ein Word-Dokument in Folien um. Was dein Publikum schon weiß und welche Zahl dein Argument trägt, wissen sie nicht: Ohne eigenes Material entstehen plausibel klingende Allgemeinplätze – die auffallen, sobald jemand nachfragt. Plane die gewonnene Zeit deshalb um, statt sie einzusparen: ins Kürzen, ins Prüfen der Zahlen, ins laute Durchsprechen.
„Was ist die eine Botschaft, die hängen bleiben soll – und was soll mein Publikum danach tun?“
Die Frage, die vor dem ersten Prompt beantwortet sein muss. Sie steht in keinem Tool-Menü, entscheidet aber, ob aus dem Gerüst ein Vortrag wird.Die Tool-Landschaft: sechs Wege zur KI-Präsentation
Der Markt teilt sich in zwei Lager: Generator-Plattformen, die von null ein Deck bauen, und KI in den Office-Programmen, die du ohnehin nutzt. Die wichtigste Spalte ist der PowerPoint-Export – weil in den meisten Firmen eine PPTX-Vorlage im Corporate Design gilt und Kolleginnen die Datei weiterbearbeiten müssen. Listenpreise der Anbieter, Stand September 2026; die US-Anbieter rechnen in Dollar:
| Tool | Stärke | Preis (grob) | PowerPoint-Export | Für wen |
|---|---|---|---|---|
| Gamma | Schnellster Weg von Prompt zu Deck; baut auch Websites und Dokumente | Free (400 Start-Credits), Plus 9 $, Pro 18 $, Ultra 90 $ je Nutzer/Monat (Jahreszahlung) | Ja – PDF, PPTX, PNG, Google Slides; im Free-Tarif mit „Made with Gamma“-Badge | Einzelkämpfer, schnelle Pitches |
| Canva (Magic Design, Guided Presentations) | Riesige Vorlagen- und Bildbibliothek, Brand-Kits fürs Team | Free mit begrenztem KI-Kontingent; Pro 180 $/Jahr, Business 250 $/Jahr je Person | Ja – alternativ PDF, Video oder Website | Marketing, Canva-Gewohnte |
| Beautiful.ai | Layout-Automatik: Folien formatieren sich beim Tippen selbst | Kein Gratis-Tarif, 14 Tage Test mit Kreditkarte; Pro 12 $/Monat, Teams 40 $/Nutzer/Monat | Ja – Import und Export laut Anbieter im Pro-Plan | Vertrieb mit striktem Corporate Design |
| Presentations.AI | Baut Decks aus Prompt, Word-Datei, PDF oder URL; zieht Farben und Logo von einer Website | Starter kostenlos (100 Credits), Pro 20 $/Monat, Gold 100 $/Monat | Ja – laut Anbieter „fully editable .pptx“ | Pitch-Decks aus vorhandenen Dokumenten |
| Copilot in PowerPoint | Arbeitet direkt in PowerPoint, übernimmt das Design der Startvorlage, baut aus einer Word-Datei | Zusatzlizenz: Copilot Business 15,60 €*, Microsoft 365 Copilot 26 € je Nutzer/Monat (Jahreszahlung, zzgl. MwSt.); privat via Microsoft 365 Premium 22 €/Monat | Entfällt – das Ergebnis ist eine PPTX-Datei | Firmen mit M365 und eigener Vorlage |
| Gemini in Google Slides | Folien aus Inhalten im eigenen Drive, Bildgenerierung im Editor | In den Workspace-Tarifen enthalten: 6,80 €, 13,60 € oder 21,10 € je Nutzer/Monat (Jahreszahlung) | Über den PowerPoint-Download von Slides | Google-Workspace-Teams |
* Aktionspreis von Microsoft (regulär 18,20 €) – vor dem Kauf gegen die Anbieterseite prüfen.
Und Tome? Der Name steht in fast jeder Tool-Liste. Bei unserer Prüfung im August 2026 war die Website allerdings nicht mehr erreichbar – der Aufruf endete in einer Fehlerseite des Hosting-Anbieters statt im Produkt. Tool-Empfehlungen aus älteren Ratgebern lohnt es also anzuklicken, bevor man sich darauf verlässt.
Wichtig: Export heißt nicht 1:1
PPTX-Export bedeutet nicht, dass die Folien danach identisch aussehen. Gamma dokumentiert die Grenzen selbst: Farbverläufe und Spezialeffekte werden vereinfacht, Diagramme können verschoben erscheinen, sehr bildlastige Decks scheitern gelegentlich am Export – und lädst du die Datei danach in Google Slides hoch, ignoriert Slides die eingebetteten Schriften. Plane 15 Minuten Nacharbeit ein und exportiere einmal testweise.
Workflow A: von null mit einem Generator
Der Weg für alles, was kein Firmenlayout braucht – interne Vorschläge, Workshop-Material, Bewerbungspräsentationen:
- Kernbotschaft und Rahmen aufschreiben, vor dem ersten Prompt. Wer sitzt im Raum, wie lange redest du, was soll danach passieren? Ohne diese Angaben gibst du dem Tool ein Thema statt eines Auftrags.
- Eigenes Material mitgeben statt erfinden lassen. Alle größeren Tools nehmen ein Word-Dokument, ein PDF oder einen Textblock als Quelle. Aus deinem Bericht entstehen deine Zahlen – aus einem nackten Thema Wikipedia-Prosa.
- Folienzahl und Stichpunkt-Limit vorgeben. Ohne Ansage liefern Generatoren 20 Folien mit sechs Bullets. Faustregel für 15 Minuten Redezeit: 8 bis 12 Folien, maximal vier Stichpunkte.
- Streichen, nicht ergänzen. Welche Folie kann weg, ohne dass die Argumentation bricht? Meist sind es zwei bis drei.
- Zahlen gegenprüfen, dann exportieren. Alles, was das Modell selbst „gewusst“ hat – Jahres- und Marktzahlen, Zitate – gegen die Quelle prüfen.
Beispiel-Prompt: von null
„Erstelle eine Präsentation mit 10 Folien für ein internes Team-Meeting. Zielgruppe: Kolleginnen und Kollegen ohne Technik-Hintergrund, 15 Minuten Redezeit. Thema: Einführung eines neuen Ticketsystems im Kundenservice. Kernbotschaft: Die Umstellung kostet zwei Wochen Eingewöhnung und spart danach rund drei Stunden pro Person und Woche. Struktur: 1 Titel, 1 Ausgangslage, 2 Problem, 3 Lösung, 2 Zeitplan, 1 Was das für euch heißt. Ton sachlich, keine Superlative, maximal vier Stichpunkte pro Folie. Verwende ausschließlich Zahlen aus dem folgenden Text: […]“
Der letzte Satz ist der wichtigste – er unterbindet erfundene Zahlen. Wie man solche Vorgaben systematisch baut, steht im Guide Prompt Engineering lernen.
Workflow B: im vorhandenen Firmen-Design
Sobald das Ergebnis nach außen geht oder das Corporate Design verbindlich ist, dreht sich der Weg um: nicht extern generieren und danach ins Firmenlayout zwingen, sondern die KI von Anfang an in deiner Vorlage arbeiten lassen.
Mit der Vorlage starten, nicht mit dem leeren Prompt. Microsoft beschreibt es in der eigenen Dokumentation so: Wer aus einer Vorlage heraus beginnt, signalisiert Copilot, dass Theme und Design erhalten bleiben sollen. Also erst die Firmenvorlage öffnen, dann Copilot beauftragen – er baut Folien aus einem Prompt oder aus einer bestehenden Datei und fasst ein Deck zusammen.
Die Lizenzfrage vorher klären. Copilot in den Office-Apps ist kein Gratis-Feature, sondern hängt an einer Zusatzlizenz oder – privat – an einem entsprechenden Microsoft-365-Abo. Welche Produkte alle „Copilot“ heißen und was sie kosten, sortiert der Überblick Microsoft Copilot.
Die Google-Variante. In Slides erzeugt Gemini Folien aus Inhalten, die schon in deinem Drive liegen, und generiert Bilder im Editor; die Funktionen stecken in den Workspace-Tarifen. Nach PowerPoint geht es anschließend über den Slides-Download.
Beispiel-Prompt: im Firmen-Design
Zuerst die Firmenvorlage öffnen, dann: „Erstelle aus der Datei ‚Quartalsbericht_Q3.docx‘ eine Präsentation mit 8 Folien im Design dieser Vorlage. Übernimm die Kapitelstruktur des Dokuments, maximal drei Stichpunkte pro Folie. Lege die Zahlen aus Kapitel 2 als Tabelle auf eine eigene Folie und schreibe zu jeder Folie zwei Sätze Sprechernotizen.“
Die Sprechernotizen sind der unterschätzte Teil: Sie zwingen das Modell, pro Folie eine Aussage zu formulieren – und machen sichtbar, welche Folie keine hat.
Vier Fehler, die man KI-Folien ansieht
1. Die Bullet-Wüste. Generatoren füllen Platz: sechs Stichpunkte pro Folie, von denen vier dasselbe sagen. Gegenmittel ist das Limit im Prompt – und danach jede Folie auf eine Kernaussage eindampfen. Was du sagst, muss nicht auf der Folie stehen.
2. KI-Bilder ohne Bezug. Das abstrakte blaue Netzwerk-Motiv auf Folie 3 ist Dekoration, keine Information – und der Stil ist inzwischen allgemein bekannt. Setz Bilder nur ein, wo sie etwas zeigen: Screenshot, Diagramm, Foto der echten Sache. Worauf du bei generierten Bildern sonst achten musst, steht im Guide KI-Bilder erstellen.
3. Zu viele Folien. Weil Generieren nichts kostet, entstehen 25-Folien-Decks für 15 Minuten Redezeit. Auffallen tut das erst live: Du hetzt durch oder überziehst.
4. Vertrauliches im falschen Tool. Ein kostenloser Generator ist ein Cloud-Dienst wie jeder andere – was du hochlädst, verlässt das Haus. Unveröffentlichte Zahlen, Personaldaten oder Kundennamen gehören nicht in ein Gratis-Konto.
Kennzeichnung und Urheberrecht – kurz und praktisch
Für interne Folien ist das Thema klein, für Vorträge nach außen nicht. Seit dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten aus Artikel 50 der EU-KI-Verordnung – eine pauschale Kennzeichnung jeder KI-gestützten Folie verlangen sie nicht: Anbieter müssen KI-Output maschinenlesbar markieren, sichtbar offenlegen musst du vor allem täuschend echte Darstellungen von Personen, Orten oder Ereignissen, die es so nicht gab. Ein erkennbar illustratives Symbolbild fällt nach überwiegender Lesart nicht darunter, ein fotorealistisches „Team-Foto“, das nie existiert hat, sehr wohl.
Beim Urheberrecht gilt: An reinen Prompt-Ergebnissen entsteht in der Regel kein eigenes Urheberrecht, weil das deutsche Recht persönliche geistige Schöpfungen von Menschen schützt. Für Foliendekoration ist das folgenlos, relevant wird es bei Motiven mit Markenfunktion. Was du mit den Bildern darfst, regelt daneben der Anbieter-Vertrag. Eine Einordnung, keine Rechtsberatung.
Was das beruflich bringt
Vorbereitungszeit. Der Gewinn liegt nicht bei „Präsentation in zwei Minuten“, sondern in der Verschiebung: weniger Formatierung, mehr Inhalt und Proben. Wo regelmäßig Statusberichte, Schulungen oder Kundentermine anstehen, summiert sich das.
Bewerbungspräsentation. Immer mehr Auswahlverfahren enthalten eine Präsentationsaufgabe. Ein Generator gibt dir in zwanzig Minuten eine saubere Struktur – der Unterschied entsteht danach durch eigene Beispiele und Zahlen. Rein generierte Decks fallen auf, weil die erste Nachfrage ins Leere läuft.
Interne Schulung. Fürs Onboarding sind die Tools stark, weil das Ausgangsmaterial existiert: Handbuch rein, Foliensatz plus Sprechernotizen raus. Wer solche Abläufe systematisch aufbauen will, findet den Einstieg im Fahrplan KI lernen; welche Modelle hinter den Tools stecken, ordnet KI-Modelle 2026 ein.
Häufige Fragen
Gibt es kostenlose KI-Präsentationstools?
Ja, mehrere. Gamma startet mit 400 Credits, Presentations.AI mit 100 Credits, Canva hat einen Gratis-Tarif mit begrenztem KI-Kontingent. Beautiful.ai bietet keinen Gratis-Tarif, sondern einen 14-tägigen Test mit Kreditkarte. Copilot und Gemini hängen an einem kostenpflichtigen Abo.
Kann ich das Ergebnis in PowerPoint weiterbearbeiten?
Ja. Gamma, Canva, Beautiful.ai und Presentations.AI exportieren nach PPTX, Copilot arbeitet ohnehin direkt in PowerPoint. Rechne mit Abweichungen: Farbverläufe, Effekte, Diagrammgrößen und Schriften können nach dem Export anders aussehen. Also einmal testweise exportieren.
Wie bekomme ich die Folien ins Firmen-Design?
Am zuverlässigsten, indem du gar nicht erst außerhalb generierst: in PowerPoint mit der Firmenvorlage starten und dann Copilot beauftragen – laut Microsoft signalisiert der Vorlagenstart, dass Theme und Design erhalten bleiben. Bei den Generatoren geht es über eigene Themes mit Firmenfarben und Logo, meist in den Bezahl-Tarifen.
Wie lange dauert eine KI-Präsentation wirklich?
Das Gerüst steht in zwei bis fünf Minuten. Für eine Präsentation, die einen Vortrag trägt, plane trotzdem 30 bis 60 Minuten ein: eigenes Material einspeisen, kürzen, Zahlen prüfen, exportieren, einmal laut durchgehen.
Muss ich KI-generierte Folien kennzeichnen?
Nicht pauschal. Seit dem 2. August 2026 verlangt Artikel 50 der EU-KI-Verordnung von den Anbietern eine maschinenlesbare Markierung; sichtbar offenlegen musst du vor allem täuschend echte Darstellungen von Personen, Orten oder Ereignissen. Für illustrative Symbolbilder gilt das meist nicht – im Zweifel kennzeichnen. Keine Rechtsberatung.
Kann ich den Umgang mit KI-Tools in einer geförderten Weiterbildung lernen?
Ja – Präsentations- und Text-KI ist Bestandteil vieler KI-Weiterbildungen. Wenn du arbeitsuchend oder von Arbeitslosigkeit bedroht bist, können die Kosten über einen Bildungsgutschein übernommen werden, sofern die Voraussetzungen nach § 81 SGB III erfüllt sind und der Kurs AZAV-zugelassen ist.
KI-Tools beruflich lernen – mit Förderung?
Wenn du arbeitsuchend oder von Arbeitslosigkeit bedroht bist, kann eine KI-Weiterbildung über den Bildungsgutschein zu 100 % gefördert werden – sofern die Voraussetzungen erfüllt sind. Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir mit dir, ob das in deiner Situation passt, und bereiten die Unterlagen für die Agentur vor.
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Benedikt Backhaus – schreibt bei Scaly über KI-Tools, neue Modelle und aktuelle Entwicklungen rund um künstliche Intelligenz. Er beobachtet die KI-Szene laufend und ordnet ein, was neue Releases praktisch bedeuten – ehrlich und ohne Hype. Einschätzung, keine Rechtsberatung. Benedikt auf LinkedIn