Anthropic hat am 21. Oktober 2026 Claude Duet vorgestellt: einen KI-Agenten, der nicht auf deine Frage wartet, sondern sich von selbst meldet. Jeden Morgen schickt er ein Briefing aus Postfach, Kalender und den anderen verbundenen Apps, prüft die Konten alle paar Stunden, arbeitet auf einem eigenen Cloud-Rechner weiter, wenn du die App schließt, und fragt vor jeder Nachricht, Zahlung oder Unterschrift nach. Damit ist Duet nach Gemini Spark, Grok Bot, Meta Muse und OpenAIs Dots der fünfte Agent dieser Art in fünf Monaten. In Deutschland ist noch keiner davon regulär nutzbar. Hier steht, was Duet kann, was es kostet, worin sich die fünf unterscheiden, und wie du dir das Morgen-Briefing mit dem Claude-Abo, das es hier gibt, schon heute selbst baust. Stand: 22. Oktober 2026.
Was Claude Duet anders macht als der Chat
Bisher lief jede KI-Nutzung nach demselben Muster: Du öffnest den Chat, stellst eine Frage, bekommst eine Antwort. Claude Duet dreht das um. Anthropic beschreibt es als Agenten, der „sich meldet, bevor du fragst“, und hat ihn nach eigener Aussage für „Berufstätige und Inhaber kleiner Betriebe mit mehr auf dem Tisch, als sie im Blick behalten können“ gebaut. Vier Dinge sind neu gegenüber dem normalen Claude:
Das Morgen-Briefing. Jeden Morgen fasst Duet zusammen, was aus den verbundenen Apps Aufmerksamkeit braucht: unbeantwortete Mails, Termine mit fehlender Vorbereitung, offene Zusagen, Rechnungen. Dazu kommen Vorschläge, was es als Nächstes übernehmen könnte.
Prüfen im Hintergrund. Duet schaut laut Anthropic „alle paar Stunden“ in Postfach, Kalender und Co., nicht ständig. Meldet sich nur, wenn etwas ansteht. Worüber und wie oft, stellst du ein. Die Grenze schreibt Anthropic gleich dazu: Was zwischen zwei Prüfungen eintrifft, kann liegen bleiben, und Dringlichkeit kann Duet falsch einschätzen.
Aufgaben, die weiterlaufen. Für größere Aufträge bekommt Duet einen eigenen Rechner in der Cloud samt Browser. Du schreibst eine Nachricht wie in einem Chat, Duet arbeitet, auch wenn dein Handy in der Tasche steckt, und meldet sich, wenn das Ergebnis fertig ist oder eine Entscheidung fehlt. Anthropics Beispiele: Termine koordinieren, ein Dashboard aus mehreren Tools bauen, eine Umsatzprognose rechnen, unbezahlte Rechnungen heraussuchen und Mahnungen entwerfen, eine Präsentation für ein Investorengespräch aktualisieren.
Ein Gedächtnis, ein Faden. Duet übernimmt Erinnerungen, Skills und verbundene Apps aus deinem Claude-Konto. Es gibt keine getrennten Chats, sondern einen durchlaufenden Verlauf, in dem Aufgaben, Rückfragen und Ergebnisse nacheinander auftauchen. Technisch ist Duet trotzdem eine eigene App für iOS und Android, dazu eine Ansicht auf claude.ai.
Das Modell dahinter ist Claude Opus 5.5, Anthropics aktuelles Spitzenmodell. Auswählen kannst du es nicht: Duet entscheidet selbst, wie viel Rechenaufwand eine Aufgabe braucht. Was Anthropic im Herbst sonst noch verändert hat, etwa die Zusammenlegung von Chat und Cowork, steht weiter unten, weil es für deutsche Nutzer gerade der interessantere Teil ist.
Die Freigabe-Logik: was Duet allein darf, was nie
Der eigentliche Kern von Duet ist nicht das Briefing, sondern die Regel, wann der Agent dich fragt. Anthropic hat die Grenzen so gezogen:
| Aktion | Duet macht es allein | Duet fragt vorher | Geht auch mit Freigabe nicht |
|---|---|---|---|
| Mails und Nachrichten lesen, Termine prüfen, Dokumente durchsuchen | ja | ||
| Antworten entwerfen, Tabellen und Präsentationen bauen, recherchieren | ja | ||
| Eine Nachricht oder Mail versenden | ja, zeigt vorher genau, was rausgeht | ||
| Etwas bezahlen (über Stripes Link mit Einmalkarte oder Shop Pay) | ja | ||
| Ein Dokument unterschreiben, Dateien oder Inhalte löschen | ja | ||
| Wertpapiere handeln, Geld zwischen Konten verschieben | gesperrt | ||
| Auf Konten anderer Personen zugreifen, Anrufe oder SMS tätigen | gesperrt | ||
| Eine Aufgabe als erledigt abhaken | nur du selbst |
Kannst du eine Freigabe nicht sofort erteilen, legt Duet die Frage zurück, arbeitet am Rest weiter und kommt später darauf zurück. Apps lassen sich jederzeit trennen; was Duet daraus schon gelernt hat, bleibt im Gedächtnis des Kontos, bis du es dort löschst. Passwörter sieht das Modell nach Anthropics Angaben nicht: Logins laufen über ein separates Formular auf deinem Gerät, nicht durch den Chat.
Die Tabelle von Anthropic ist der Mindeststandard. Für den Betrieb hat sich eine Ampel bewährt, egal welcher Agent: Grün sind Aufgaben, bei denen ein Fehler nur dich Zeit kostet (Zusammenfassen, Sortieren, Entwürfe, Recherche). Gelb ist alles, was nach außen geht (Mails an Kunden, Angebote, Terminzusagen): immer mit Freigabe, auch wenn der Agent es allein dürfte. Rot bleibt, was Geld bewegt, Verträge bindet oder Personaldaten berührt: das macht ein Mensch, der Agent bereitet höchstens vor. Diese Regeln aufzuschreiben, bevor ein Agent ein Postfach bekommt, ist die wichtigste halbe Stunde der ganzen Einführung.
Dein Team soll KI-Agenten nicht nur bedienen, sondern führen können?
Aufgaben sauber beschreiben, Regeln setzen, Ergebnisse prüfen: Das ist die Fähigkeit, die mit jedem neuen Agenten wichtiger wird, und sie ist lernbar. Über das Qualifizierungschancengesetz kann die Agentur für Arbeit die KI-Weiterbildung eurer Mitarbeiter fördern, in Betrieben unter 50 Beschäftigten bis zu 100 % der Lehrgangskosten plus Zuschuss zum Gehalt. Was für euch gilt, zeigt der QCG-Förderrechner oder das kostenlose Erstgespräch. Ob gefördert wird, entscheidet die Agentur.
Kostenloses Erstgespräch buchenFünf Agenten in fünf Monaten: Duet, Muse, Dots, Grok Bot, Gemini Spark
Duet ist Anthropics Antwort auf eine Welle, die im Mai begann. Jeder große Anbieter hat inzwischen einen Agenten, der im Hintergrund weiterarbeitet. Die Reihenfolge:
- 19. Mai Gemini Spark (Google) Auf der I/O vorgestellt, läuft auf eigenen virtuellen Maschinen in Google Cloud, für Abonnenten von Google AI Ultra. Nimmt Aufträge auch per Mail an.
- 11. August Grok Bot (xAI) Beta. „KI-Teammitglieder, denen man echte Arbeit geben kann“, zuerst für SuperGrok Heavy und die Cursor-Spitzentarife, seit September auch für Unternehmen.
- 8. September Muse (Meta) Persönlicher Agent mit eigenem Cloud-Rechner („Muse Secure VM“), Gratis-Stufe plus Tarife für 20 und 100 US-Dollar. Nur USA, seit Mitte September auch Kanada.
- 29. September Dots (OpenAI) Auf dem DevDay vorgestellt: Dauer-Agenten in ChatGPT auf Basis von GPT-6 Astra, über 4.000 Apps, auch in Slack und Teams. Pro-Kunden im EWR sind zum Start ausgeschlossen.
- 21. Oktober Claude Duet (Anthropic) Research Preview per Warteliste für Pro und Max in den USA. Morgen-Briefing, Prüfen alle paar Stunden, Freigabe vor Senden, Zahlen, Unterschreiben, Löschen.
Alle fünf teilen dasselbe Bauprinzip: ein eigener Rechner in der Cloud mit Browser, Zugriff auf Mail, Kalender und Geschäftssoftware, Arbeit auch bei geschlossener App und eine Freigabe vor folgenreichen Aktionen.
Die Unterschiede liegen weniger in der Technik als in der Frage, für wen das Produkt gebaut ist und was es kostet. Amanda Caswell hat Muse und Dots für Tom’s Guide verglichen und bringt es auf den Punkt: Der Unterschied liege nicht im Modell, sondern in der Kundschaft. Das gilt für alle fünf:
| Agent | Modell | Für wen, welcher Zugang | Besonderheit | In Deutschland? |
|---|---|---|---|---|
| Claude Duet (Anthropic) | Claude Opus 5.5 | Berufstätige, kleine Betriebe; im Pro- und Max-Abo enthalten, Team und Enterprise noch nicht | Morgen-Briefing, feste Freigabe-Liste, Gedächtnis und Skills aus dem Claude-Konto | nein, nur US-Konten |
| Muse (Meta) | Muse Spark | Privatleute und kleine Firmen; Gratis-Stufe, 20 $, 100 $ im Monat | Berechtigungssystem „Sentinel“ trennt Lesen und Schreiben; Anbindung an Facebook- und Instagram-Geschäftskonten | nein, USA und Kanada |
| Dots (OpenAI) | GPT-6 Astra | Profis und Teams; ChatGPT Pro, Business Premium, Enterprise in „ausgewählten Märkten“ | Über 4.000 Apps, Steuerung aus Slack und Teams, mehrere Dots als Team geplant | für Pro-Kunden im EWR nicht |
| Grok Bot (xAI) | xAI-Modelle, nicht benannt | Entwickler und Teams; SuperGrok, Cursor Pro und Teams, Enterprise auf Warteliste | Alle Bots eines Kontos teilen sich einen Cloud-Rechner; xAI warnt selbst, getrennte Bots nicht als Sicherheitsgrenze zu sehen | keine Länderliste veröffentlicht, Zugang hängt am Abo |
| Gemini Spark (Google) | Gemini 3.5 | Abonnenten von Google AI Ultra | Eigene Mailadresse für Aufträge, Anbindung an Gmail, Docs und Slides | nein, EWR, Schweiz und UK ausgeschlossen, auch mit Ultra |
Zwei Details lohnen den zweiten Blick. Erstens die Preisschwelle: Bei Muse gibt es eine Gratis-Stufe, bei Duet reicht das normale Pro-Abo, bei Dots brauchst du mindestens die Pro- oder Business-Premium-Stufe von ChatGPT, bei Grok Bot ein Entwickler- oder SuperGrok-Abo. Zweitens die Zielgruppe: Muse und Duet richten sich ausdrücklich an Leute ohne IT-Abteilung, Dots und Grok Bot an Teams, die schon mit Entwicklerwerkzeugen arbeiten. Wie sich die Modelle dahinter schlagen, steht im Überblick der KI-Modelle im Oktober 2026; zu Metas Modellfamilie gibt es den Vergleich Muse Wonder gegen Opus 5.5.
Kannst du Claude Duet in Deutschland nutzen?
Nein, Stand 22. Oktober nicht. Duet ist eine Research Preview für Pro- und Max-Abonnenten mit US-Konto, der Zugang kommt in Wellen über eine Warteliste, und Anthropic nennt für Europa weder Datum noch Gründe. Dasselbe Bild bei der Konkurrenz: Muse läuft in den USA und Kanada, Dots schließt Pro-Kunden im EWR aus, Gemini Spark den ganzen EWR samt Schweiz und Großbritannien. Grok Bot nennt keine Länder, hängt aber an Abos, die auf Entwickler zielen. Ein US-Konto über Umwege anzulegen, verstößt gegen die Nutzungsbedingungen und bringt dir im Betrieb nichts: Zahlungen laufen über US-Zahlungsmittel, und bei einem Problem hast du keinen Vertragspartner.
Was in Deutschland geht, ist näher an Duet, als die Schlagzeilen vermuten lassen. Seit dem 16. September hat Anthropic die Agenten-Funktionen, die vorher „Cowork“ hießen, in den normalen Claude eingebaut; auf der Hilfeseite heißt es wörtlich: „Claude Cowork ist jetzt einfach Claude.“ Dazu gehören laut Anthropic drei Bausteine, die in den bezahlten Tarifen Pro, Max und Team stecken, ohne Länderbeschränkung auf der Hilfeseite:
Connectors mit Freigabe-Modi. Gmail, Google Kalender, Drive, Slack und viele weitere Dienste lassen sich an Claude anbinden. Für jede Verbindung gibt es drei Stufen: „Manual“ (jede Aktion einzeln freigeben), „Auto“ (Claude prüft selbst, ob eine Aktion sicher ist) und „Skip“ (keine Prüfung). Für den Anfang ist Manual die richtige Wahl.
Aufgaben, die in der Cloud weiterlaufen. Cloud-Sitzungen laufen laut Anthropic weiter, „auch wenn die Desktop-App geschlossen ist oder der Rechner schläft“. Nur wenn eine Aufgabe lokale Dateien oder deinen Browser braucht, muss die App offen bleiben.
Geplante Aufgaben. Mit dem Befehl /schedule in einer Aufgabe oder über „Scheduled“ in der Seitenleiste legst du wiederkehrende Aufträge an. Sie laufen laut Hilfeseite in der Cloud, „ohne dass ein Gerät online ist“.
Das ist Duet ohne die Push-Benachrichtigung: Du bekommst kein Briefing, das dich morgens anschreibt, aber du kannst dir eines bestellen, das jeden Werktag um 7:30 Uhr fertig im Chat liegt. So sieht der Auftrag dafür aus:
Du bist mein Assistent für den Tagesstart. Sieh in meinem Kalender und meinem Postfach nach (verbundene Apps) und erstelle ein Briefing für heute, [Datum], in dieser Reihenfolge: 1. Termine heute: je Termin ein Satz, worum es geht, und was ich vorbereiten muss. Fehlt die Vorbereitung, sag es. 2. Mails, die eine Antwort von mir brauchen: höchstens fünf, nach Dringlichkeit sortiert, je ein Satz mit Grund. Entwirf für jede eine Antwort, aber sende nichts. 3. Zusagen und Fristen: alles, was ich in Mails der letzten 14 Tage versprochen habe und was bis Ende der Woche fällig wird. 4. Vorschlag: die drei wichtigsten Aufgaben für heute, mit Begründung in je einem Satz. Regeln: Nenne zu jedem Punkt die Quelle (Betreff und Datum der Mail oder Name des Termins). Erfinde nichts; wenn du etwas nicht sehen kannst, schreib das. Sende keine Nachrichten, lösche nichts, ändere keine Termine. Halte das Briefing unter 300 Wörtern.
Einmal als geplante Aufgabe angelegt, bekommst du jeden Morgen dasselbe Format. Der Prompt funktioniert sinngemäß auch in ChatGPT mit verbundenem Postfach, nur das Planen in der Cloud ist dort anders gelöst. Zwei Hinweise aus der Praxis: Die erste Woche läuft das Briefing besser mit einem Testpostfach, bis du siehst, was das Modell für dringend hält. Und der Satz „Erfinde nichts; wenn du etwas nicht sehen kannst, schreib das“ gehört in jeden Agenten-Auftrag, weil KI-Modelle Lücken sonst mit plausiblen Erfindungen füllen.
Was Claude Duet kostet und was es verbraucht
Einen eigenen Preis hat Duet nicht. In den USA ist es während der Preview im Pro-Abo (20 US-Dollar) und im Max-Abo (ab 100 US-Dollar) enthalten. In Deutschland kostet Claude Pro laut claude.com 18 Euro netto im Monat, also 21,42 Euro mit Umsatzsteuer, Max beginnt bei 90 Euro netto; Duet gibt es dafür aber eben noch nicht. Zum Vergleich: Bei OpenAI bekommen berechtigte Kunden ihren Dot ohne Aufpreis, brauchen dafür aber mindestens ChatGPT Pro oder Business Premium. Meta bietet bei Muse eine Gratis-Stufe mit Wochenkontingent.
Der eigentliche Preis steckt im Verbrauch. Duet teilt sich die Nutzungslimits mit dem übrigen Claude, also das Fünf-Stunden-Fenster und das Wochenkontingent des Tarifs. Jede Hintergrundprüfung zählt mit, jedes Briefing, jede Aufgabe. Anthropic schreibt selbst, dass die Limits dadurch schneller erreicht sein können als beim reinen Chatten, und dass große Aufträge wie ein Finanzmodell oder eine Präsentation viele Modellrunden brauchen. Wer in die Preview aufgenommen wird, bekommt einmalig ein zurückgesetztes Kontingent, gültig bis zum 30. November 2026. Bei OpenAI gilt die umgekehrte Logik: Gespräche mit dem Dot zählen nicht gegen das ChatGPT-Limit, die Aufgaben, die er ausführt, schon.
Ein Briefing am Morgen plus vier Prüfläufe am Tag sind fünf Hintergrundläufe, bevor du selbst etwas gefragt hast. Jeder davon liest Mails, Kalender und Erinnerungen ein. Im Pro-Abo, das fürs Chatten gedacht ist, bleibt dann spürbar weniger für deine eigenen Aufgaben. Deshalb ist der Prüfrhythmus die erste Einstellung, die du bei jedem dieser Agenten anfasst: Für die meisten kleinen Betriebe reichen ein Briefing am Morgen und ein Lauf am frühen Nachmittag.
Datenschutz: Postfach, Buchhaltung und Kundendaten in einer Hand
Ein Agent, der Postfach, Kalender, Buchhaltung und Shop zugleich lesen darf, ist ein anderes Datenschutzthema als ein Chat, in den du einzelne Texte kopierst. Drei Punkte entscheiden, ob so etwas im Betrieb vertretbar ist, bei Duet wie bei jedem Mitbewerber.
Der Tarif. Pro und Max sind Verbraucher-Tarife. Sie laufen über Anthropics Nutzungsbedingungen für Privatkunden, einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Artikel 28 DSGVO gibt es dort nicht. Sobald Kundendaten, Personaldaten oder Rechnungen eines Betriebs durch den Agenten laufen, brauchst du einen Geschäftstarif mit diesem Vertrag, bei Anthropic also Team oder Enterprise. Genau die sind bei Duet noch nicht dabei. Was die Consumer-Tarife der Anbieter zusagen und wo sie aufhören, steht ausführlich im Guide KI und Datenschutz.
Die eingebauten Schutzmechanismen. Anthropic beschreibt für Duet mehrere Vorkehrungen: Das Modell sieht keine Zugangsdaten, ein Klassifikator blockiert die strengste Datenkategorie wie Kreditkarten- und Ausweisnummern, Gesundheits- und Finanzdaten schickt Duet nur weiter, wenn du es ausdrücklich anordnest, und interne wie externe Sicherheitstests samt Bug-Bounty-Programm laufen. Das ist mehr, als die meisten Anbieter zum Start dokumentieren. Es ersetzt aber keinen Vertrag und keine eigene Regel, welche Postfächer ein Agent überhaupt sehen darf.
Die offene Flanke. Ein Agent, der Mails liest und danach handelt, ist das klassische Ziel für Prompt Injection: Eine präparierte Mail enthält Anweisungen, die das Modell für deine hält. Anthropic nennt das Risiko selbst und schreibt, kein Schutz sei perfekt. Die Freigabe-Liste ist deshalb keine Komfortfunktion, sondern die Sicherung: Solange Senden, Zahlen und Löschen über deinen Daumen laufen, kann eine manipulierte Mail höchstens einen Entwurf erzeugen. Warum das bei Agenten ernst wird und was hilft, steht im Artikel zu Prompt Injection.
Und ein Punkt, der nichts mit der Technik zu tun hat: Wenn Duet oder Muse nach Deutschland kommen, werden Beschäftigte sie privat ausprobieren, mit dem Firmenpostfach. Ohne eine Regel, welche Konten an welchen Agenten dürfen, entsteht Schatten-KI mit Vollzugriff. Die Regel sollte vorher stehen, nicht nach dem ersten Vorfall.
Wo Duet heute an Grenzen stößt
Anthropic listet die Schwächen ungewöhnlich offen auf, und die ersten Berichte vom Starttag bestätigen sie. Dringlichkeit: Duet kann einen Mailverlauf falsch einordnen und Wichtiges zwischen zwei Prüfungen verpassen; für zeitkritische Fristen bleiben klassische Erinnerungen die bessere Wahl. Private Besorgungen: Tickets buchen, Reservierungen, Einkäufe funktionieren laut Anthropic noch schlechter als Büroaufgaben. Der Browser: Duet surft in einem eigenen Cloud-Browser, den du weder sehen noch übernehmen kannst; bei Websites mit Login ist das ein echter Nachteil. Die Anbindung: Microsoft 365 fehlt laut Hilfeseite noch, Slack läuft mit Einschränkungen, auf lokale Dateien und alle deine Claude-Projekte kommt Duet nicht. Die Trennung: Duet ist eine eigene App neben Claude, und unabhängige Tests, wie zuverlässig es Aufgaben tatsächlich erledigt, gibt es noch nicht.
Nichts davon ist ein Grund, das Thema zu ignorieren. Es ist der Grund, die ersten Agenten in der Gelb-Zone der Ampel zu halten: lesen, sortieren, entwerfen. Was sie dort leisten, ist jetzt schon mehr, als die meisten Betriebe nutzen. Wie Agenten grundsätzlich arbeiten und wo sie im Alltag scheitern, erklärt der Guide zu KI-Agenten.
Was das für deinen Job heißt
Fünf Anbieter, fünf Monate, fünf Agenten mit demselben Bauprinzip: Das ist kein Experiment mehr, sondern die nächste Produktgeneration. Dass Deutschland dabei hinterherkommt, ist ärgerlich, hat aber einen Vorteil. Die Fähigkeit, die diese Werkzeuge verlangen, ist bei allen fünf dieselbe, und sie lässt sich mit dem üben, was es hier schon gibt: eine Aufgabe so beschreiben, dass ein Agent sie zuverlässig erledigt; Regeln setzen, was er allein darf; Ergebnisse prüfen, bevor sie nach außen gehen. Wer das heute mit geplanten Aufgaben in Claude, mit Automationen in n8n oder Make oder mit Claude Code lernt, hat den Schritt zum Agenten, der sich morgens von selbst meldet, schon fast gemacht.
Für Berufstätige heißt das: Die Jobprofile, die 2027 gesucht werden, beschreiben nicht „kann mit ChatGPT umgehen“, sondern „kann Agenten führen“. Für Betriebe heißt es: Der Unterschied zwischen einem Agenten, der Arbeit abnimmt, und einem, der Arbeit macht, liegt nicht im Abo, sondern bei den Leuten, die ihn einrichten.
Häufige Fragen
Was ist Claude Duet?
Claude Duet ist ein proaktiver KI-Agent von Anthropic, vorgestellt am 21. Oktober 2026. Er schickt jeden Morgen ein Briefing aus den verbundenen Apps, prüft Postfach und Kalender alle paar Stunden, erledigt Aufgaben auf einem eigenen Cloud-Rechner und fragt nach, bevor er Nachrichten sendet, zahlt, unterschreibt oder löscht. Das Modell dahinter ist Claude Opus 5.5.
Ist Claude Duet in Deutschland verfügbar?
Nein, Stand 22. Oktober 2026 nicht. Duet ist eine Research Preview per Warteliste für Pro- und Max-Abonnenten mit US-Konto. Einen Termin für Europa hat Anthropic nicht genannt. Die Agenten-Funktionen des normalen Claude, etwa geplante Aufgaben in der Cloud und Connectors mit Freigabe, sind dagegen auch mit deutschem Konto nutzbar.
Was kostet Claude Duet?
Es gibt keinen eigenen Preis. Während der Preview ist Duet im Pro-Abo (20 US-Dollar, in Deutschland 18 Euro netto) und im Max-Abo (ab 100 US-Dollar) enthalten. Es teilt sich aber die Nutzungslimits mit dem übrigen Claude; Hintergrundprüfungen und Briefings zählen mit, sodass das Kontingent schneller erreicht ist als beim reinen Chatten.
Worin unterscheidet sich Claude Duet von Meta Muse und OpenAIs Dots?
Technisch kaum: Alle drei haben einen eigenen Cloud-Rechner, arbeiten bei geschlossener App weiter und fragen vor folgenreichen Aktionen nach. Der Unterschied liegt in Zielgruppe und Zugang. Muse zielt mit Gratis-Stufe auf Privatleute, Duet steckt im normalen Pro-Abo für Berufstätige und kleine Betriebe, Dots sitzen in ChatGPT und brauchen mindestens Pro oder Business Premium. In Deutschland ist keiner der drei regulär verfügbar.
Kann Claude Duet selbstständig Mails verschicken oder Geld überweisen?
Mails verschickt Duet erst nach deiner Freigabe und zeigt vorher an, was rausgeht. Dasselbe gilt für Zahlungen, Unterschriften und das Löschen von Inhalten. Wertpapierhandel und Überweisungen zwischen Konten sind laut Anthropic auch mit Freigabe gesperrt, ebenso der Zugriff auf Konten anderer Personen.
Was ist der Unterschied zwischen Claude Duet und Claude Cowork?
Cowork war Anthropics Name für Agenten-Aufgaben im normalen Claude; seit September ist es laut Anthropic „einfach Claude“: Du gibst eine Aufgabe, Claude erledigt sie, auf Wunsch geplant und in der Cloud. Duet geht einen Schritt weiter und meldet sich von selbst, mit Briefing und Hinweisen aus den verbundenen Apps. Cowork-Funktionen gibt es in Deutschland, Duet noch nicht.
Agenten führen statt nur bedienen
Claude Duet, Muse und Dots zeigen, wohin KI im Büro geht: Agenten, die Postfach, Kalender und Buchhaltung lesen und selbstständig handeln. Wer davon profitieren will, muss Aufgaben sauber beschreiben, Regeln setzen und Ergebnisse prüfen können. Genau das üben wir in unserer KI-Weiterbildung: als KI-Spezialist in 3 Monaten oder als KI-Experte in 6 Monaten Vollzeit, online mit Live-Unterricht, mit eigenen Automationen und Agenten im Praxisprojekt. Für Beschäftigte förderfähig über das Qualifizierungschancengesetz, für Arbeitsuchende über den Bildungsgutschein. Ob gefördert wird, entscheidet die Agentur für Arbeit; im kostenlosen Erstgespräch klären wir, welcher Weg passt.
Kostenloses Erstgespräch buchenQuellen: Anthropic: Introducing Claude Duet, 21.10.2026 · Claude Help Center: Get started with Claude Duet · Claude Help Center: Get started with Claude Cowork · Tom’s Guide: Meta Muse vs. ChatGPT Dots (Amanda Caswell)
Paul Niebler – Gründer der Scaly Academy. Über zehn Jahre IT-Consulting mit Schwerpunkt KI, unter anderem bei IBM und mit seinem zweiten Unternehmen Pexon Consulting. Er setzt die hier beschriebenen Werkzeuge selbst täglich ein und schreibt auf, was davon im Betrieb trägt – und was nicht. Einschätzung, keine Rechtsberatung. Paul auf LinkedIn