Ein Bauunternehmen verdient sein Geld auf der Baustelle – und verliert es oft im Schriftverkehr: der Nachtrag, der erst nach der Ausführung angekündigt wird, die Behinderung, die niemand schriftlich angezeigt hat, die Abnahme ohne Vorbehalt der Vertragsstrafe. Genau dort, zwischen Vertrag und Baustelle, setzt KI im Bauwesen heute an. Sie wertet Vergabeunterlagen aus, entwirft Nachträge, Behinderungsanzeigen und Mängelrügen und übersetzt Unterweisungen. Ob der Anspruch besteht, ob die Frist noch läuft und wer unterschreibt, entscheidet die Bauleitung. Hier steht, wo das in Kalkulation, Arbeitsvorbereitung und Bauleitung von Unternehmen mit 20 bis 200 Beschäftigten trägt, welche VOB/B-Fristen kein Chatbot für euch hält, was Vergaberecht, Datenschutz und Betriebsrat vorgeben und wie die Agentur für Arbeit die Weiterbildung fördern kann. Stand: Oktober 2026.
Bau nutzt KI nur gut halb so oft wie die Wirtschaft insgesamt
2025 setzten in Deutschland 14 Prozent der Bauunternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten KI ein, über alle Branchen waren es 26 Prozent. Das zeigt die europäische Erhebung zur IT-Nutzung in Unternehmen, die hierzulande das Statistische Bundesamt durchführt und Eurostat nach Branchen auswertet.
Quelle: Eurostat, Datensatz „Artificial intelligence by NACE Rev. 2 activity“ (isoc_eb_ain2), Stand Juni 2026, gerundet. Der Bau liegt bei gut der Hälfte des Durchschnitts – hat von 2024 auf 2025 aber um rund vier Prozentpunkte zugelegt.
Der größte Teil der Wertschöpfung passiert draußen, die Marge entscheidet sich aber zunehmend am Schreibtisch. In der Verbandsumfrage des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB) vom Sommer 2026 sagen drei von vier Befragten, sie könnten gestiegene Preise nicht an die Auftraggeber weiterreichen, 64 Prozent klagen, der Auftraggeber akzeptiere keine Preisgleitung. Wer da einen berechtigten Nachtrag zu spät ankündigt, verschenkt Geld, das keine Kolonne zurückholt. Woran es dabei meist fehlt, ist aus unserer Sicht nicht das Werkzeug, sondern eine Person, die es sicher auf VOB/B-Abläufe überträgt.
Eure Bauleiter und Kalkulatorinnen sollen KI sicher einsetzen – aber wer bringt es ihnen bei?
Über das Qualifizierungschancengesetz kann die Agentur für Arbeit die KI-Weiterbildung eurer Mitarbeiter fördern – in Betrieben unter 50 Beschäftigten bis zu 100 % der Lehrgangskosten plus Zuschuss zum Gehalt, in größeren Betrieben anteilig. Was für euch gilt, zeigt der QCG-Förderrechner oder das kostenlose Erstgespräch. Ob gefördert wird, entscheidet die Agentur.
Kostenloses Erstgespräch buchenVom Angebot bis zur Gewährleistung: was KI vorbereitet, welche Frist ein Mensch hält
Fast jedes Schreiben eines Bauunternehmens hängt an einer Frist oder Form. Die KI entwirft jedes davon in Minuten – ob die Frist schon läuft, weiß sie nicht. Die Übersicht gilt bei vereinbarter VOB/B, beim reinen BGB-Bauvertrag gelten teils andere Regeln.
| Projektphase | Was KI vorbereitet | Frist und Form, die ihr haltet |
|---|---|---|
| Angebot | Vergabeunterlagen auswerten, Bieterfragen, Liste der geforderten Erklärungen | Vergabeunterlagen nicht verändern, geforderte Erklärungen und Nachweise beilegen (§ 13 Abs. 1 Nr. 4 und 5 VOB/A) |
| Zusätzliche Leistung | Nachtragsankündigung aus Protokoll und LV-Auszug | Anspruch ankündigen, bevor die Ausführung beginnt (§ 2 Abs. 6 Nr. 1 VOB/B) |
| Geänderte Leistung | Gegenüberstellung alt und neu, Begründung | Neuer Preis soll vor der Ausführung vereinbart werden (§ 2 Abs. 5 VOB/B) |
| Bedenken | Bedenkenanzeige mit technischer Begründung | Unverzüglich und schriftlich, möglichst vor Beginn der Arbeiten (§ 4 Abs. 3 VOB/B) |
| Behinderung | Anzeige aus Bautagebuch und Soll-Ist-Vergleich | Unverzüglich und schriftlich (§ 6 Abs. 1 VOB/B) |
| Abnahme | Abnahmeverlangen, Protokoll-Checkliste | Abnahme binnen 12 Werktagen nach Verlangen, Vorbehalte für Mängel und Vertragsstrafe in die Niederschrift (§ 12 Abs. 1 und 4, § 11 Abs. 4 VOB/B) |
| Gewährleistung | Mängelrüge mit Fotos, Ort und Frist | Mängelbeseitigung vor Ablauf der Verjährung schriftlich verlangen (§ 13 Abs. 5 Nr. 1 VOB/B) |
Als Generalunternehmer steht ihr in jeder Zeile zweimal: gegenüber dem Bauherrn als Auftragnehmer, gegenüber euren Nachunternehmern als Auftraggeber. Zeigt der Rohbauer eine Behinderung an, die aus der Sphäre des Bauherrn kommt, prüft ihr, ob ihr sie nach oben weitergebt. Solche Paare kann eine KI vorschlagen, entscheiden muss die Bauleitung.
Angebotsbearbeitung: Vergabeunterlagen auswerten lassen, nie umschreiben lassen
LV, Vertragsbedingungen, Pläne und Baugrundgutachten ergeben schnell mehrere hundert Seiten. Hier spart KI Lesezeit – als Suchhilfe, die zu jeder Angabe Dokument und Seite nennt, damit ihr im Original nachlest. Werkzeuge, die nur aus euren Dokumenten antworten, beschreiben die Guides zu NotebookLM und RAG.
Was die KI vor der Kalkulation herausziehen sollte: Ausführungsfristen und Zwischentermine, Vertragsstrafen mit Satz und Obergrenze, Sicherheiten, Zahlungsbedingungen, ob eine Preisgleitklausel vorgesehen ist, Regeln für Nachunternehmer, geforderte Nachweise und ob Nebenangebote zugelassen sind. Dazu Widersprüche zwischen LV, Plänen und Gutachten – daraus werden eure Bieterfragen.
Was sie nie tun darf: die Unterlagen „verbessern“. Bei öffentlichen Aufträgen sind Änderungen an den Vergabeunterlagen unzulässig (§ 13 Abs. 1 Nr. 5 VOB/A), solche Angebote werden ausgeschlossen (§ 16 Abs. 1 Nr. 2 VOB/A). Ein Sprachmodell, das Positionstexte glättet oder zusammenlegt, produziert genau diesen Fehler. Auch Referenzen formuliert KI flüssig – ob jedes Detail stimmt, prüft ihr, denn vorsätzlich unzutreffende Erklärungen zur Fachkunde sind ebenfalls ein Ausschlussgrund (§ 16 Abs. 1 Nr. 10 VOB/A).
Die Preise kommen aus eurer Kalkulation. KI kann prüfen, ob eine Kostenart fehlt oder ein Einheitspreis aus der Reihe fällt, Ansätze erfinden darf sie nicht. Legt die Urkalkulation sauber ab, sie ist später die Grundlage für Nachträge (§ 2 Abs. 6 Nr. 2 VOB/B, beim BGB-Bauvertrag § 650c Abs. 2 BGB). Wie die Planerseite Leistungsverzeichnisse mit KI aufsetzt, zeigt unser Artikel KI für Architekten.
Nachtragsmanagement: KI schreibt die Begründung, die Bauleitung prüft den Anspruch
Bei vereinbarter VOB/B regelt § 2 die wichtigsten Fälle. Ändert der Auftraggeber den Bauentwurf oder ordnet anderes an, ist ein neuer Preis zu vereinbaren, möglichst vor der Ausführung (Abs. 5). Fordert er eine Leistung, die im Vertrag nicht vorgesehen ist, gibt es eine besondere Vergütung – aber nur, wenn ihr den Anspruch ankündigt, bevor ihr mit der Ausführung beginnt (Abs. 6). Weicht die Menge einer Einheitspreisposition um mehr als 10 Prozent ab, ist auf Verlangen ein angepasster Preis zu vereinbaren (Abs. 3). Beim BGB-Bauvertrag ohne VOB/B kann der Besteller nach 30 Tagen ohne Einigung in Textform anordnen (§ 650b BGB), und solange über die Höhe keine Einigung besteht, könnt ihr in Abschlagsrechnungen 80 Prozent der angebotenen Mehrvergütung ansetzen (§ 650c Abs. 3 BGB).
Beispiel: die Anordnung im Jour fixe
Die Projektleiterin des Bauherrn ordnet im Jour fixe 14 Kernbohrungen DN 150 im Bestandskeller für die Haustechnik an. Im LV stehen sie nicht. Der Bauleiter gibt der KI Protokollauszug, LV-Positionen samt Vorbemerkungen und Planstand. Heraus kommt der Entwurf einer Nachtragsankündigung: Datum und Protokollnummer, anordnende Person, Leistung und Bauteil, Mehrvergütung nach § 2 Abs. 6 VOB/B als Vorschlag, Vorbehalt der Auswirkungen auf die Bauzeit, Nachtragsangebot auf Basis der Urkalkulation folgt.
Vor dem Versand beantwortet die Bauleitung drei Fragen, die keine KI verlässlich beantwortet. Ist die Leistung wirklich neu? Was nach Leistungsbeschreibung, Vertragsbedingungen, den Allgemeinen Technischen Vertragsbedingungen der VOB/C und gewerblicher Verkehrssitte zur Leistung gehört, ist mit den Preisen abgegolten (§ 2 Abs. 1 VOB/B). Durfte die Person anordnen? Das steht im Vertrag, nicht im Protokoll. Geht es rechtzeitig raus? Die Ankündigung gehört auf den Tisch, bevor gebohrt wird.
Danach lohnt der zweite Durchgang: Lasst die KI gegen euch argumentieren.
„Du bist Nachtragsprüfer des Bauherrn. Lies diese Nachtragsankündigung, den LV-Auszug und die Vorbemerkungen. Nenne die drei stärksten Einwände gegen den Anspruch, jeweils mit Fundstelle. Erfinde keine Vertragsklauseln – was nicht in den Unterlagen steht, markierst du als offen.“
Die Gegenprüfung zum Kopieren. Sie findet Lücken, bevor der Bauherr sie findet – typisch sind übersehene Vorbemerkungen und fehlende Bezüge zu Plan und Datum.Mengen kommen aus Aufmaß und AVA-Programm, nicht aus dem Chat. Warum Sprachmodelle bei Zahlen und Paragrafen überzeugend danebenliegen können, erklärt der Artikel zu KI-Halluzinationen.
Bautagebuch, Terminplan, Behinderung: der Eintrag vom selben Tag zählt
Wie aus einer Sprachnotiz ein Bautages- oder Regiebericht wird, zeigt unser Artikel KI im Handwerk an einem Beispiel. In der Bauleitung kommt etwas dazu: Die KI führt Tagesberichte der Nachunternehmer, Wetterangaben und eigene Notizen zu einem Tagesbild zusammen und gleicht es mit dem Terminplan ab. So fällt am Dienstag auf, dass ein Zwischentermin wackelt, nicht erst im Jour fixe zwei Wochen später.
Warum das Geld wert ist. Eine Behinderung ist unverzüglich schriftlich anzuzeigen. Fehlt die Anzeige, zählen die hindernden Umstände nur, wenn sie dem Auftraggeber offenkundig bekannt waren (§ 6 Abs. 1 VOB/B). Auch die Entschädigung nach § 642 BGB setzt die Anzeige oder diese Offenkundigkeit voraus (§ 6 Abs. 6 VOB/B). Und Witterung, mit der bei Angebotsabgabe normalerweise zu rechnen war, gilt nicht als Behinderung (§ 6 Abs. 2 Nr. 2 VOB/B). Ob Frost im November „normal“ war, entscheidet keine KI. Sie kann aber festhalten, was an welchem Tag nicht ging, und die Anzeige noch am selben Abend entwerfen.
Terminplanung bleibt Sache der Planungssoftware. Ein Sprachmodell rechnet keinen Bauablauf mit Abhängigkeiten durch, übersetzt aber gut: den Terminplan in Wochenziele für Poliere und Nachunternehmer, eine Verschiebung in eine verständliche Mail an den Bauherrn. Was KI-Funktionen in Termin-, Mängel- oder BIM-Software leisten, hängt am Produkt. Unabhängige Messungen haben wir nicht gefunden – testet mit einem eigenen Projekt.
Abnahme und Mängel: Checklisten, Rügen, Vorbehalte
Bei der Abnahme laufen beide Vertragsbeziehungen zusammen. Die KI schreibt Abnahmeverlangen, Protokollvorlagen und Mängelrügen – bei vereinbarter VOB/B muss das hinein:
| Gegenüber dem Bauherrn | Gegenüber euren Nachunternehmern | |
|---|---|---|
| Abnahme | Nach Fertigstellung Abnahme verlangen, der Auftraggeber führt sie binnen 12 Werktagen durch (§ 12 Abs. 1 VOB/B). Nach BGB gilt das Werk auch als abgenommen, wenn er eine angemessene Frist verstreichen lässt, ohne die Abnahme unter Angabe mindestens eines Mangels zu verweigern (§ 640 Abs. 2 BGB) | In die Niederschrift der förmlichen Abnahme gehören Vorbehalte wegen bekannter Mängel und wegen Vertragsstrafen (§ 12 Abs. 4 VOB/B). Nach der Abnahme kann die Vertragsstrafe nur verlangen, wer sie dabei vorbehalten hat (§ 11 Abs. 4 VOB/B) |
| Privater Bauherr | Ist er Verbraucher, wirkt die Abnahme durch Fristablauf nur, wenn ihr ihn mit der Aufforderung zur Abnahme in Textform auf die Folgen hingewiesen habt (§ 640 Abs. 2 BGB) – ein Satz, den keine Vorlage vergessen darf | – |
| Mängel | Mängelliste aus der Begehung nach Raum, Gewerk und Frist sortieren, Stellungnahmen vorbereiten | Beseitigung beim richtigen Nachunternehmer schriftlich verlangen. Der Anspruch verjährt dann frühestens zwei Jahre nach Zugang (§ 13 Abs. 5 Nr. 1 VOB/B) – den Zugang solltet ihr beweisen können |
Prüft vor allem die Zuordnung zum Nachunternehmer, sie entscheidet, wer beseitigt und zahlt. Fotos bleiben als Original im Archiv, die KI beschriftet sie nur.
Arbeitsschutz: schneller unterwiesen, verantwortet von Fachleuten
Unterweisungen müssen auf Arbeitsplatz oder Aufgabenbereich ausgerichtet sein und vor Aufnahme der Tätigkeit erfolgen, etwa bei Einstellung oder neuen Arbeitsmitteln (§ 12 ArbSchG). Nach DGUV Vorschrift 1 sind sie mindestens einmal jährlich zu wiederholen und zu dokumentieren (§ 4 Abs. 1). Was KI hier gut kann: aus Gefährdungsbeurteilung und Baustellenordnung eine baustellenbezogene Unterweisung entwerfen, Verständnisfragen formulieren, die Nachweisliste vorbereiten und den Text in die Sprachen der Kolonne übersetzen (Werkzeuge im Vergleich: KI-Übersetzer). Die Inhalte prüft eure Fachkraft für Arbeitssicherheit, die Übersetzung möglichst eine Person mit der Muttersprache. Die Unterweisung selbst bleibt ein Gespräch auf der Baustelle, kein verschicktes PDF.
SiGe-Plan und Vorankündigung. Dauert eine Baustelle voraussichtlich mehr als 30 Arbeitstage bei mehr als 20 gleichzeitig Beschäftigten oder umfasst sie mehr als 500 Personentage, ist spätestens zwei Wochen vor Einrichtung eine Vorankündigung an die Behörde fällig. Arbeiten dort Beschäftigte mehrerer Arbeitgeber, braucht es dann vorab einen Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan, bei besonders gefährlichen Arbeiten auch ohne Vorankündigung (§ 2 Abs. 2 und 3 BaustellV), einen Koordinator ohnehin (§ 3 BaustellV). KI kann Entwürfe vorbereiten. Verantwortlich bleiben Bauherr oder beauftragter Dritter und Koordinator – ob ihr als Generalunternehmer diese Rolle übernommen habt, steht im Vertrag.
Vergaberecht, Daten, Betriebsrat: die Leitplanken
Wichtig
Einschätzung aus der Weiterbildungspraxis, keine Rechtsberatung. Vertrags- und Vergabefragen klärt ihr mit der Rechtsberatung eures Bauverbands oder einer Kanzlei für Bau- und Architektenrecht, Datenschutzfragen mit eurem Datenschutzbeauftragten oder der Aufsichtsbehörde eures Landes.
Die wichtigste Regel für den Alltag: Firmenkonto statt Privat-Account. Sobald personenbezogene Daten im Spiel sind, braucht ihr einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO und die Zusage, dass eure Eingaben nicht zum Training genutzt werden. Details stehen im Guide KI und Datenschutz.
| Unterlage | In ein Firmen-KI-Tool mit Vertrag | Besser nicht oder nur lokal |
|---|---|---|
| Vergabeunterlagen, LV, Pläne | Ja, wenn Vergabeunterlagen oder eine Vertraulichkeitsabrede die Weitergabe nicht einschränken | Pläne sicherheitsrelevanter Gebäude |
| Kalkulation, Urkalkulation | Mit Vertrag und ausgeschlossenem Training | Wenn gar keine Geschäftsgeheimnisse nach außen sollen: KI lokal nutzen |
| Baustellenfotos | Ja, ohne Gesichter, Kennzeichen und Namensschilder – erkennbare Personen machen ein Foto zum personenbezogenen Datum (Art. 4 Nr. 1 DSGVO) | Fotos mit erkennbaren Beschäftigten oder Anwohnern ohne Rechtsgrundlage |
| Stundenzettel, Leistungsdaten Einzelner | Nur anonymisiert oder zusammengefasst | Auswertungen einzelner Beschäftigter ohne geklärte Mitbestimmung |
Der Betriebsrat ist früh dabei. Gibt es bei euch einen, ist er über die Planung von Arbeitsabläufen einschließlich des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz rechtzeitig zu unterrichten (§ 90 Abs. 1 Nr. 3 BetrVG), und muss er KI beurteilen, gilt ein Sachverständiger als erforderlich (§ 80 Abs. 3 BetrVG). Ist ein Werkzeug dazu bestimmt, Verhalten oder Leistung der Beschäftigten zu überwachen, bestimmt er mit (§ 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG) – ein digitales Bautagebuch mit Namen und Stunden je Kolonne kann darunterfallen.
Die Unterschrift bleibt bei euch. An ein Angebot seid ihr gebunden, auch wenn die KI darin eine Norm erfunden hat (§ 145 BGB). Gegenüber Bauherr und Nachunternehmern steht ihr gerade, nicht der Softwareanbieter.
Und die KI-Verordnung? Art. 4 gilt seit Februar 2025 und wurde mit der Verordnung (EU) 2026/1744 zum 27. Juli 2026 abgeschwächt: Anbieter und Betreiber „ergreifen Maßnahmen, um die Entwicklung der KI-Kompetenz ihres Personals“ zu unterstützen. Ein bestimmtes Niveau oder Zertifikat ist nicht vorgeschrieben, ein eigener Bußgeldtatbestand besteht nicht. Aus unserer Sicht reichen für den Anfang schriftliche Regeln und eine dokumentierte Einweisung.
Der erste Pilot: eine Baustelle, ein Schreibtyp, zehn Wochen
Fangt mit einer Bauleitung und einem Schreiben an, das oft vorkommt und eine harte Frist hat, etwa Nachtrags- und Behinderungsanzeigen.
| Zeitraum | Was passiert | Woran ihr es messt |
|---|---|---|
| Woche 1-2 | Firmenkonto mit Vertrag einrichten, eine Seite Regeln (was rein darf, wer prüft, wo Originale liegen), Betriebsrat informieren | Ausgangswert: Wie viele Tage liegen heute zwischen Anordnung und Ankündigung? |
| Woche 3-6 | Bauleitung nutzt Vorlage und Gegenprüfung, die kaufmännische Projektleitung prüft Stichproben | Zeit pro Schreiben, Anteil der Ankündigungen vor Ausführungsbeginn, Korrekturen je Entwurf |
| Woche 7-10 | Auswerten, nachschärfen, dann zweite Baustelle oder Abnahme-Checklisten | Vergleich mit dem Ausgangswert, erst dann ausrollen |
Wie der größere Rollout aussieht, beschreibt der 90-Tage-Fahrplan zur KI-Einführung.
Bauleitung, Kalkulation, Büro weiterbilden: was die Agentur für Arbeit übernehmen kann
Ein Pilot braucht eine Person, die Werkzeuge, Automatisierung und Rechtsrahmen sicher beherrscht und die anderen mitnimmt. Für ihre Weiterbildung gibt es das Qualifizierungschancengesetz (QCG) in § 82 SGB III. Weil Bauunternehmen mit 20 bis 200 Beschäftigten auf beiden Seiten der 50er-Grenze liegen, hier beide Stufen:
Ab 45 Jahren gilt in Betrieben unter 500 Beschäftigten eine Sonderregel. Ist die Person bei Beginn mindestens 45 Jahre alt oder schwerbehindert, soll die Agentur von einer Kostenbeteiligung des Arbeitgebers absehen (§ 82 Abs. 2 SGB III). Für den langjährigen Kalkulator in einem Unternehmen mit 120 Leuten können die Lehrgangskosten dann ebenfalls bis zu 100 Prozent gefördert werden, der Zuschuss zum Gehalt bleibt bei bis zu 50 Prozent. Gibt es eine Betriebsvereinbarung über Weiterbildung oder einen Tarifvertrag, der betriebsbezogene Weiterbildung vorsieht, sinkt euer Anteil an den Lehrgangskosten um fünf Prozentpunkte (§ 82 Abs. 4 SGB III).
Gezählt wird das ganze Unternehmen. Teilzeitkräfte zählen mit 0,25 (bis 10 Wochenstunden), 0,5 (bis 20) oder 0,75 (bis 30), maßgeblich sind alle Beschäftigten des Unternehmens, bei einem Konzern die des Konzerns (§ 82 Abs. 6 SGB III). Ob und in welcher Höhe gefördert wird, entscheidet die Agentur für Arbeit. Die übrigen Voraussetzungen zeigt der QCG-Voraussetzungs-Check, den Ablauf der Artikel zum QCG-Antrag, den Gehaltszuschuss der Guide zum Arbeitsentgeltzuschuss.
Wen ihr schickt. Bauleiter:innen, Kalkulator:innen oder kaufmännische Mitarbeiter:innen aus Projektcontrolling und Arbeitsvorbereitung, die Vorlagen für alle bauen. Inhaber und Gesellschafter-Geschäftsführer fallen in der Regel nicht unter das QCG, Wege für sie sammelt der Artikel Weiterbildung für Geschäftsführer.
Was Scaly anbietet – und was nicht. Bei Scaly sind das die Weiterbildungen „KI-Spezialist im Unternehmen“ (3 Monate Vollzeit) und „KI-Experte im Unternehmen“ (6 Monate Vollzeit), online mit Live-Unterricht und Scaly-Zertifikat, unter anderem zu KI-Werkzeugen, Prompting, Automatisierung und rechtssicherer Nutzung. Eine Bau-Spezialschulung ist das nicht: VOB/B und Kalkulation bringen eure Leute mit, sie lernen, KI darauf zu übertragen. Vollzeit heißt, die Person fehlt drei oder sechs Monate – der Zuschuss fängt einen Teil des Gehalts auf, die Lücke auf der Baustelle nicht. Plant den Start in eine Phase mit weniger Auslastung: Laut ifo lag die Maschinenauslastung im August 2026 im Hochbau bei 64,1 Prozent der Vollauslastung, im Tiefbau bei 73,2 Prozent.
Häufige Fragen
Wofür lohnt sich KI im Bauwesen am meisten?
Für den Schriftverkehr zwischen Vertrag und Baustelle: Vergabeunterlagen auswerten, Nachtragsankündigungen, Behinderungsanzeigen, Abnahmeprotokolle und Mängelrügen entwerfen, Unterweisungen übersetzen. Kalkulation, Terminplanung und Entscheidungen über Ansprüche bleiben bei Menschen und Fachsoftware.
Kann KI Nachträge schreiben?
Sie kann Nachtragsankündigungen und Begründungen in Minuten entwerfen und als Gegenprüfung die Einwände des Bauherrn vorwegnehmen. Ob die Leistung wirklich neu ist, wer anordnen durfte und ob die Ankündigung vor der Ausführung rausgeht (§ 2 Abs. 6 VOB/B), prüft die Bauleitung. Mengen und Preise kommen aus Aufmaß und Urkalkulation.
Dürfen wir Vergabeunterlagen in ChatGPT hochladen?
Mit Firmenkonto, Vertrag zur Auftragsverarbeitung und ausgeschlossenem Training in der Regel ja, sofern die Vergabeunterlagen oder eine Vertraulichkeitsabrede das nicht einschränken. Die Unterlagen selbst dürfen nicht verändert werden: Bei öffentlichen Aufträgen führt das zum Ausschluss (§ 13 Abs. 1 Nr. 5, § 16 Abs. 1 Nr. 2 VOB/A).
Kann KI das Bautagebuch führen?
Sie kann aus Sprachnotizen, Nachunternehmer-Berichten und Wetterdaten einen Tagesbericht gliedern und Abweichungen vom Terminplan markieren. Verantwortlich bleibt die Bauleitung, die Einträge prüft und am selben Tag abschließt. Behinderungen sind unverzüglich schriftlich anzuzeigen (§ 6 Abs. 1 VOB/B), die Originalfotos bleiben unverändert im Archiv.
Muss der Betriebsrat bei KI-Werkzeugen mitreden?
Er ist über die Planung von Arbeitsabläufen mit KI rechtzeitig zu unterrichten (§ 90 Abs. 1 Nr. 3 BetrVG). Ist ein Werkzeug dazu bestimmt, Verhalten oder Leistung der Beschäftigten zu überwachen, etwa ein digitales Bautagebuch mit Stunden je Person, bestimmt er mit (§ 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG). Am besten bindet ihr ihn schon beim Pilot ein.
Wird die KI-Weiterbildung von Bauleitern gefördert?
Sie kann über das Qualifizierungschancengesetz gefördert werden: unter 50 Beschäftigten bis zu 100 % der Lehrgangskosten und bis zu 75 % Zuschuss zum Arbeitsentgelt, bei 50 bis 499 Beschäftigten jeweils bis zu 50 % (Lehrgangskosten mit Betriebsvereinbarung oder passendem Tarifvertrag bis 55 %). Ab 45 Jahren soll in Betrieben unter 500 die Kostenbeteiligung des Arbeitgebers entfallen. Ob gefördert wird, entscheidet die Agentur.
Euer Team fit für KI – gefördert über das Qualifizierungschancengesetz
Im kostenlosen Erstgespräch klären wir, welche KI-Weiterbildung zu eurem Unternehmen und zur Person passt, die ihr schicken wollt, und ob und in welcher Höhe eine Förderung über das Qualifizierungschancengesetz möglich ist – auch für Betriebe ab 50 Beschäftigten. Beim Antrag unterstützen wir euch mit Bildungsangebot und Unterlagen. Einen ersten Überblick geben Förderung für Unternehmen und der QCG-Förderrechner.
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Benedikt Backhaus – schreibt bei Scaly über KI-Tools, neue Modelle und aktuelle Entwicklungen rund um künstliche Intelligenz. Er beobachtet die KI-Szene laufend und ordnet ein, was neue Releases praktisch bedeuten – ehrlich und ohne Hype. Einschätzung, keine Rechtsberatung. Benedikt auf LinkedIn