Wissensmanagement: Wissen sichern, bevor es in Rente geht

Inhaltsverzeichnis

Wissensmanagement im Unternehmen heißt: Das Wissen, das eure Arbeit trägt, bleibt greifbar, auch wenn die Person, die es im Kopf hat, krank wird, kündigt oder in Rente geht. In kleinen und mittleren Betrieben scheitert das selten an fehlender Software, sondern daran, dass das Entscheidende nie aufgeschrieben wurde – und genau dieses Wissen geht in den nächsten Jahren mit den Babyboomern in den Ruhestand. Neu ist, dass KI das Festhalten und Wiederfinden spürbar weniger aufwendig macht. Hier stehen die Begriffe, ein Wissensrisiko-Check als Vorlage, die Übergabe-Checkliste für den Ruhestand samt den Rechtsänderungen 2026, was KI dabei leistet und wo Datenschutz und Zugriffsrechte die Grenzen ziehen.

Wissensmanagement: was gemeint ist – und warum es meist an einer Person hängt

Wissensmanagement ist alles, was ein Betrieb tut, damit Wissen gefunden, geteilt und genutzt wird, statt nur in einzelnen Köpfen zu liegen. Wissenstransfer ist der Teil davon, bei dem Wissen von einer Person auf eine andere übergeht – am deutlichsten, wenn jemand geht und eine Nachfolgerin übernimmt.

Die wichtigste Unterscheidung brachte der Chemiker und Philosoph Michael Polanyi 1966 auf den Satz: „Wir wissen mehr, als wir zu sagen wissen.“ Ein Teil des Wissens lässt sich aufschreiben, ein anderer steckt in Erfahrung und Gespür:

Explizites WissenImplizites Wissen
WasAbläufe, Preise, Normen, Kundendaten, EinstellwerteErfahrung und Gespür: wie die Anlage klingt, bevor sie ausfällt; welcher Kunde bei welcher Formulierung abspringt
Wo es stecktDokumente, Systeme, Wiki, E-MailsKöpfe, Routinen, Telefonate, kleine Kniffe
Wie man es sichertordnen, aktuell halten, auffindbar machenerzählen lassen, vormachen, eine Zeit lang gemeinsam arbeiten
Was KI beiträgtSuche über die eigenen Dokumente mit Quellenangabemacht aus Gesprächen Text – das Gespräch selbst ersetzt sie nicht

In Betrieben mit 10 bis 250 Beschäftigten liegt das kritische Wissen oft auf der rechten Seite: bei der Kollegin, die seit zwanzig Jahren weiß, welche Lieferanten bei Engpässen liefern, oder beim Meister, dessen Kalkulation niemand nachrechnen kann. Solange alle da sind, fällt das nicht auf. Es fällt auf, wenn jemand geht.

Gut zu wissen

Wer nach ISO 9001 zertifiziert ist, hat Wissensmanagement schon als Anforderung im Haus: Die Fassung 2015 regelt in Abschnitt 7.1.6 „Wissen der Organisation“, dass ein Betrieb das für seine Prozesse nötige Wissen bestimmt, aufrechterhält und im erforderlichen Umfang verfügbar macht (DQS). Die Neufassung ISO 9001:2026 ist im September 2026 auf Englisch erschienen; wie die Umstellung bei euch geprüft wird, klärt ihr mit eurer Zertifizierungsstelle.

Wissenstransfer: warum der Ruhestand der Babyboomer das Thema dringend macht

Bisher kam Wissensverlust einzeln, mit jeder Kündigung. In den nächsten Jahren kommt er in Wellen, weil die geburtenstarken Jahrgänge das Rentenalter erreichen:

Destatis (Mikrozensus 2024) · IW Köln 2026 · § 235 SGB VI
Wie viel Erfahrung in den nächsten Jahren in Rente geht
13,4 Mio.
Erwerbspersonen überschreiten bis 2039 die Altersgrenze von 67
31 %
aller Erwerbspersonen des Jahres 2024
46 %
der 64-Jährigen sind noch erwerbstätig
2031
wird der stärkste Jahrgang 1964 67 Jahre alt

Die Zahlen stammen aus der Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts vom 3. September 2025. Heruntergerechnet auf einen Betrieb mit 30 Beschäftigten und durchschnittlicher Altersstruktur heißt das: Rund neun Personen aus dem heutigen Team sind bis 2039 im Rentenalter (30 × 31 %). Das Institut der deutschen Wirtschaft beziffert den Takt: Von den heute 14,1 Millionen Babyboomern unterhalb des Rentenalters sind es 2030 nur noch 7,6 Millionen (IW-Kurzbericht 39/2026).

Für die Planung wichtiger als die 67 ist die dritte Kachel: Mit 64 arbeitet nur noch knapp die Hälfte. Wer die Übergabe auf den Tag der Regelaltersgrenze plant, plant oft zu spät.

Wo Wissen nur in einem Kopf liegt: der Wissensrisiko-Check

Bevor ihr Werkzeuge auswählt, gehört auf ein Blatt, welches Wissen gefährdet ist. Die Vorlage hat sechs Spalten und passt für die meisten Betriebe in eine Stunde Arbeit mit der Geschäftsführung und den Teamleitungen. Die Zeilen sind ein konstruiertes Beispiel:

WissensgebietWer kann es?VertretungDokumentiertAbgang absehbarAmpel
Kalkulation von SonderaufträgenInhaber und ein VertriebsmitarbeiterteilweiseTabelle ohne ErläuterungVertriebsmitarbeiter in 18 MonatenRot
Einstellung und Pflege der Anlage 2Haustechnikerexterner Service, nur ErsatzteileHerstellerhandbuch, eigene Kniffe nichtAltersteilzeit ab nächstem JahrRot
Eigenheiten der zehn größten KundenInnendienst-Kolleginniemandverstreut in E-MailsneinGelb
Lizenzen, Zugänge, IT-VerträgeGeschäftsführerniemandteilweiseneinGelb
Monatsabschluss und MahnwesenBuchhaltungSteuerbüroCheckliste vorhandenneinGrün

Die Ampel-Regel: Rot, wenn nur eine Person das Gebiet beherrscht und ihr Abgang in den nächsten 24 Monaten absehbar ist. Gelb, wenn nur eine Person es kann oder es kaum dokumentiert ist. Grün, wenn eine Vertretung es kann und es auffindbar aufgeschrieben ist. Rot wird zuerst bearbeitet, Gelb kommt in den Jahresplan.

Zwei Hinweise: In die Spalte „Abgang absehbar“ gehört nur der Zeitpunkt, nie der Grund – Gesundheit oder Familienplanung haben in so einer Liste nichts zu suchen. Und der Check ergänzt die Qualifikationsmatrix: Die zeigt, wer was kann, der Wissensrisiko-Check zeigt, wo es nur einer kann.

Wer bei euch soll das Wissen der Erfahrenen mit KI sichern?

Interviews auswerten und eine Wissensbasis mit sauberen Zugriffsrechten aufsetzen kann jemand aus eurem Team lernen. Über das Qualifizierungschancengesetz kann die Agentur für Arbeit die KI-Weiterbildung eurer Mitarbeiter fördern – in Betrieben unter 50 Beschäftigten bis zu 100 % der Lehrgangskosten plus Zuschuss zum Gehalt. Was für euch gilt, zeigt der QCG-Förderrechner oder das kostenlose Erstgespräch. Ob gefördert wird, entscheidet die Agentur.

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Die Instrumente: von Kopf zu Kopf oder vom Kopf ins Dokument

Für jedes rote oder gelbe Feld stellt sich eine Frage: Lässt sich das Wissen aufschreiben, oder muss es von Mensch zu Mensch weitergegeben werden? Danach richtet sich das Instrument:

InstrumentSichert vor allemAufwandPasst, wenn
Tandem oder Doppelbesetzungimplizites Wissen, Kontakte, Gespürhoch: zwei Personen auf einer Stelle für einige MonateSchlüsselstelle mit Rot im Check
ErfahrungsinterviewEntscheidungswege, Ausnahmen, Vorgeschichtedrei bis fünf Termine à 60 bis 90 Minutenjeder absehbare Abgang mit Rot oder Gelb
Vormachen mit AufnahmeAbläufe in Software, Handgriffegering pro Ablaufwiederkehrende Tätigkeiten mit vielen Klicks
Lessons Learned nach Projektenwas gut lief und was nichteine Stunde pro ProjektProjekt- und Auftragsgeschäft
Wer-weiß-was-Listewen man bei welchem Thema fragtgering, jährlich prüfenab etwa 15 Personen oder mehreren Standorten
Wissensbasis mit KI-Sucheexplizites Wissen, schnell auffindbarEinrichtung in Tagen, Pflege dauerhaftDokumente existieren und haben Verantwortliche

In der Fachliteratur heißt dieser Kreislauf nach Ikujiro Nonaka und Hirotaka Takeuchi (1995) SECI-Modell: Wissen wandert durch gemeinsames Erleben (Sozialisation), durch Aussprechen und Aufschreiben (Externalisierung), durch Zusammenführen von Dokumenten (Kombination) und durch Anwenden (Internalisierung). Für den Alltag reicht die Faustregel: Gespür überträgt man von Mensch zu Mensch, Fakten und Abläufe gehören ins Dokument.

Wissenstransfer vor dem Ruhestand: die Übergabe-Checkliste

Eine gute Übergabe beginnt nicht mit dem Abschiedsessen, sondern zwölf bis 24 Monate vorher. Die Zeitpunkte sind Richtwerte für eine Schlüsselstelle; bei einfacheren Stellen genügt die zweite Hälfte der Tabelle.

Wann (vor dem letzten Arbeitstag)Was passiertErgebnis
24 bis 18 MonateGespräch über Zeitpunkt und Wünsche: früher aufhören, in Teilzeit gehen, länger bleiben, danach für Rückfragen erreichbar sein? Wissensrisiko-Check für diese Stelle.Übergabeplan mit Datum
18 bis 12 MonateNachfolge bestimmen oder einstellen; nötige Weiterbildung der Nachfolge starten (Förderanträge vor Beginn stellen).Tandem steht
12 bis 6 MonateErfahrungsinterviews führen, Abläufe vormachen und aufnehmen, KI-Entwürfe von der erfahrenen Person prüfen lassen.geprüfte Dokumente in der Wissensbasis
6 bis 3 MonateRollen tauschen: Die Nachfolge arbeitet, die erfahrene Person schaut zu. Kunden, Lieferanten und Behörden persönlich übergeben.Nachfolge arbeitet selbstständig
letzte vier WochenOffene Vorgänge übergeben, Zugänge über den Passwortmanager übertragen, Abschlussgespräch: Was fehlt noch? Regel für Rückfragen nach dem Ausscheiden vereinbaren.Übergabeprotokoll
drei Monate danachRückfragen der Nachfolge sammeln, Lücken in der Wissensbasis nachtragen.Wissensbasis vollständig

Fragen fürs Erfahrungsinterview. Die besten Antworten kommen auf konkrete Fragen, nicht auf „Erzähl mal, was du so machst“:

  • Was machst du regelmäßig, das in keiner Stellenbeschreibung steht?
  • Woran merkst du, dass etwas schiefläuft, bevor es andere merken?
  • Welche Ausnahmen von der Regel gibt es – und warum?
  • Welchen Fehler hast du einmal gemacht und seitdem nie wieder?
  • Wen rufst du an, wenn es brennt, und was sagst du dann?
  • Was würdest du deiner Nachfolge in der ersten Woche zeigen?

Länger an Bord: drei Wege, zwei davon neu seit 2026. Reicht die Zeit für die Übergabe nicht, gibt es arbeits- und steuerrechtliche Hebel:

1. Ende hinausschieben. Endet der Arbeitsvertrag mit Erreichen der Regelaltersgrenze, können beide Seiten während des Arbeitsverhältnisses vereinbaren, den Beendigungszeitpunkt hinauszuschieben, „gegebenenfalls auch mehrfach“ (§ 41 Abs. 1 Satz 3 SGB VI). Die Vereinbarung muss vor dem Ende stehen.

2. Befristet zurückholen. Seit dem 1. Januar 2026 gilt das Vorbeschäftigungsverbot für sachgrundlose Befristungen nicht mehr für Beschäftigte, die die Regelaltersgrenze erreicht haben (§ 41 Abs. 2 SGB VI). Der eigene Ruheständler kann also befristet zurückkommen: je Vertrag bis zu zwei Jahre nach § 14 Abs. 2 Satz 1 TzBfG, insgesamt höchstens acht Jahre und höchstens zwölf Verträge. Wer vorzeitig in Altersrente gegangen ist und die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht hat, fällt nicht darunter.

3. Aktivrente. Ebenfalls seit 2026 ist Arbeitslohn ab dem Monat nach Erreichen der Regelaltersgrenze bis 24.000 € im Jahr steuerfrei, also 2.000 € im Monat (§ 3 Nr. 21 EStG). Voraussetzung ist eine Beschäftigung, für die ihr Rentenversicherungsbeiträge abführt; Selbstständige und Minijobs fallen nicht darunter. Das macht ein paar Monate Übergabe mit reduzierter Stundenzahl für die erfahrene Person attraktiver.

Wichtig

Das ist eine Einschätzung, keine Rechtsberatung. Für die Gestaltung von Befristung und Vertragsende ist eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt für Arbeitsrecht die richtige Stelle, zur Aktivrente die Steuerberatung, zu den Folgen für die Rente der erfahrenen Person die Auskunfts- und Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung.

KI-gestütztes Wissensmanagement: Festhalten wird leicht, Finden wird präzise

Wissensmanagement hatte jahrzehntelang denselben Engpass: Niemand schreibt gern auf, was er weiß, und niemand findet es später wieder. KI verändert beide Enden.

Festhalten. Ein Erfahrungsinterview wird mit Einverständnis aufgenommen, eine Spracherkennung macht daraus eine Abschrift, ein Sprachmodell formt daraus einen Entwurf. Die erfahrene Person muss nicht mehr schreiben, sondern nur noch prüfen und korrigieren. Prüfen geht schneller als Schreiben – und senkt die Hürde, überhaupt anzufangen. Entscheidend ist der Arbeitsauftrag an die KI:

Beispiel: Arbeitsauftrag an die KI

„Erstelle aus diesem Interview eine Arbeitsanweisung mit den Abschnitten Zweck, Schritte, Ausnahmen, typische Fehler und Ansprechpartner. Übernimm nur, was im Interview steht, und erfinde nichts dazu. Markiere jede unklare oder widersprüchliche Stelle mit [klären] und liste am Ende die offenen Fragen an die interviewte Person auf.“

Die Liste der offenen Fragen ist der eigentliche Gewinn: Sie wird zur Tagesordnung des nächsten Interviews.

Finden. Eine Wissensdatenbank mit KI-Suche beantwortet Fragen aus euren eigenen Dokumenten und nennt die Fundstelle. Das Prinzip dahinter heißt RAG; wie es funktioniert und welche Ausbaustufen es gibt, steht in RAG einfach erklärt. Für die Wahl reichen drei Fragen:

  • Erst einmal ausprobieren? Ein Notebook mit dem Handbuch eines Bereichs, über ein Firmenkonto statt eines privaten Kontos – wie das geht und was mit den Daten passiert, steht im Artikel zu NotebookLM (inzwischen Gemini Notebook).
  • Ihr arbeitet ohnehin mit einem Office-Paket in der Cloud? Dann prüft, welche KI-Suche euer Anbieter mitbringt. Sie beachtet in der Regel die bestehenden Zugriffsrechte, kann je nach Tarif aber eine Zusatzlizenz kosten.
  • Die Daten dürfen das Haus nicht verlassen? Dann bleibt der Betrieb auf eigener Hardware – der Einstieg steht unter KI lokal nutzen.

Was KI nicht kann. Sie findet nur, was vorher jemand festgehalten hat. Liegt in der Ablage die Fassung von 2021, bekommt ihr eine sauber belegte, veraltete Antwort. Und das Gespür des Haustechnikers für ein ungewohntes Geräusch landet in keinem Dokument – dafür bleibt das Tandem.

„Die KI ersetzt nicht das Gespräch mit den Erfahrenen. Sie sorgt dafür, dass es nicht verloren geht.“

Faustregel für KI im Wissensmanagement: Erst wird gefragt und zugehört, dann aufgeschrieben, dann gesucht – nie umgekehrt.

Datenschutz und Zugriffsrechte: was in die Wissensdatenbank gehört

Eine KI-Suche macht alles auffindbar, was eine Person sehen darf – auch den falsch freigegebenen Ordner mit der alten Gehaltsliste. Deshalb wird vor dem Start entschieden, was überhaupt hineingehört:

InhaltIn die Wissensbasis?Bedingung
Arbeitsanweisungen, Checklisten, Prozessbeschreibungenjanur gültige Fassung, mit Verantwortlichem und Prüfdatum
Antworten auf häufige Kundenfragenjaohne Namen und Kontaktdaten der Kunden
geprüfte Interview-AbschriftenjaAussagen über Dritte streichen, Rohaufnahme nach Freigabe löschen
Verträge, Angebote, Kalkulationsgrundlageneingeschränktnur für berechtigte Rollen, als Geschäftsgeheimnis behandeln
Personalakten, Gehälter, Gesundheitsdaten, Beurteilungenneingehören in ein eigenes, eng berechtigtes System
komplette Postfächer und Chatverläufeneinzu viele Daten Dritter, kaum zu bereinigen
Passwörter und ZugangsdatenneinPasswortmanager

Datenminimierung und Löschfristen. Hinein kommt nur, was für den Zweck nötig ist, und nur so lange, wie es nötig ist (Art. 5 Abs. 1 lit. c und e DSGVO). Prüft, ob ein gelöschtes Dokument auch aus dem Suchindex verschwindet.

Rechte vor Suche. Zugriffsrechte sauber zu setzen, gehört zu den technischen und organisatorischen Maßnahmen nach Art. 25 und Art. 32 DSGVO. Erst Ordner und Freigaben aufräumen, dann die KI-Suche einschalten.

Cloud nur mit Vertrag. Ein Dienst, der personenbezogene Daten für euch verarbeitet, braucht einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO; private Konten sind tabu. Den Überblick gibt KI und Datenschutz, die Regeln für alle im Betrieb gehören in eure KI-Richtlinie.

Geschäftsgeheimnisse. Rechtlich geschützt ist ein Geschäftsgeheimnis nur, wenn ihr „den Umständen nach angemessene Geheimhaltungsmaßnahmen“ trefft (§ 2 Nr. 1 b GeschGehG). Eine Wissensbasis mit Rollen und Rechten unterstützt das, der Upload der Kalkulation in ein privates Chatbot-Konto untergräbt es.

Betriebsrat. Gibt es einen, ist er über die Planung von Arbeitsabläufen „einschließlich des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz“ zu unterrichten (§ 90 Abs. 1 Nr. 3 BetrVG). Protokolliert das System, wer was sucht oder schreibt, ist es in der Regel zur Überwachung geeignet – und dann bestimmt der Betriebsrat mit (§ 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG; nach dem Bundesarbeitsgericht genügt die objektive Eignung, BAG, 13.12.2016, 1 ABR 7/15).

Aufnahmen. Erfahrungsinterviews nur mit ausdrücklichem Einverständnis aufzeichnen. Wer das nichtöffentlich gesprochene Wort unbefugt aufnimmt, macht sich strafbar (§ 201 StGB).

Einführung im Kleinen: ein Bereich, vier Wochen

Wissensmanagement scheitert selten am Start, sondern an der Größe: Wer alles auf einmal erfassen will, hat nach drei Monaten ein halbvolles Wiki, das niemand pflegt. Besser ist ein Bereich mit einem roten Feld:

  1. Woche 1: Check und Auswahl. Wissensrisiko-Check für den ganzen Betrieb, dann ein Bereich mit Rot. Fünf bis zehn Dokumente festlegen, die dort wirklich gebraucht werden.
  2. Woche 2: Aufräumen. Veraltete Fassungen archivieren, Zugriffsrechte prüfen, für jedes Dokument eine verantwortliche Person und ein Prüfdatum festlegen.
  3. Woche 3: Erfassen. Zwei Erfahrungsinterviews führen, Entwürfe erstellen lassen, von der erfahrenen Person prüfen lassen und gemeinsam mit den Dokumenten in eine Wissensbasis mit KI-Suche legen.
  4. Woche 4: Testen. Das Team schreibt 20 Fragen auf, die im Alltag wirklich gestellt werden. Wie viele beantwortet die Wissensbasis richtig und mit Fundstelle? Jede falsche Antwort zeigt eine Lücke, die nachgetragen wird.

Gemessen wird danach zweierlei: der Anteil richtig beantworteter Testfragen und wie oft die erfahrene Kollegin noch dieselben Fragen beantwortet. Sinkt die zweite Zahl, wirkt es.

Wer das aufbaut – und was die Agentur für Arbeit fördern kann

Ohne eine Person, die sich kümmert, verwaist jede Wissensbasis. Gebraucht wird jemand, der die Abläufe kennt, KI-Werkzeuge sicher bedienen kann und Datenschutz und Zugriffsrechte versteht – meist jemand aus dem Team, nicht aus der IT. Die Agentur für Arbeit kann die Weiterbildung über das Qualifizierungschancengesetz fördern (§ 82 SGB III):

Betrieb und PersonLehrgangskostenZuschuss zum Arbeitsentgelt
unter 50 Beschäftigtebis zu 100 %bis zu 75 %
50 bis 499 Beschäftigtebis zu 50 % (mit Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung zur Weiterbildung bis zu 55 %)bis zu 50 %
50 bis 499 Beschäftigte, Person ab 45 Jahren oder schwerbehindertbis zu 100 %bis zu 50 %

Voraussetzungen sind unter anderem mehr als 120 Stunden, Inhalte über eine kurze arbeitsplatzbezogene Anpassung hinaus, ein Berufsabschluss, der in der Regel mindestens zwei Jahre zurückliegt, und ein nach AZAV zugelassener Träger mit zugelassener Maßnahme. Der Antrag muss vor Beginn gestellt sein. Ob und in welcher Höhe gefördert wird, entscheidet die Agentur für Arbeit im Einzelfall. Wie ihr daraus ein Programm für mehrere Beschäftigte macht, steht im Beitrag zu Upskilling.

Was wir anbieten – und was nicht. Scaly ist ein nach AZAV zugelassener Bildungsträger. „KI-Spezialist im Unternehmen“ (3 Monate) und „KI-Experte im Unternehmen“ (6 Monate) laufen in Vollzeit, online mit Live-Unterricht, und enden mit einem Scaly-Zertifikat. Das ist keine Wissensmanagement-Ausbildung, sondern KI-Kompetenz – Werkzeuge, Prompts, Prozessautomatisierung, rechtssichere Nutzung -, die die Teilnehmenden auf euer Wissen übertragen. Ein ehrlicher Planungshinweis: Wegen der Vollzeit fehlt die Person drei oder sechs Monate. Legt die Weiterbildung deshalb vor die heiße Phase der Übergabe, nicht in die letzten Monate der erfahrenen Kollegin.

Häufige Fragen

Was versteht man unter Wissensmanagement im Unternehmen?

Alle Maßnahmen, mit denen ein Betrieb dafür sorgt, dass Wissen gefunden, geteilt und genutzt wird, statt nur in einzelnen Köpfen zu liegen: von der Wer-weiß-was-Liste über Erfahrungsinterviews und Tandems bis zur Wissensdatenbank mit KI-Suche. Wissenstransfer ist der Teil, bei dem Wissen von einer Person auf eine andere übergeht.

Was ist der Unterschied zwischen implizitem und explizitem Wissen?

Explizites Wissen lässt sich aufschreiben, etwa Abläufe, Preise oder Einstellwerte. Implizites Wissen steckt in Erfahrung und Gespür und lässt sich nur schwer in Worte fassen. Explizites Wissen sichert ihr in Dokumenten, implizites vor allem durch Vormachen, Erzählen und gemeinsames Arbeiten.

Wann sollte der Wissenstransfer vor dem Ruhestand beginnen?

Bei Schlüsselstellen zwölf bis 24 Monate vor dem letzten Arbeitstag. So bleibt Zeit, die Nachfolge zu bestimmen und weiterzubilden, Erfahrungsinterviews zu führen und einige Monate im Tandem zu arbeiten. Weil mit 64 nur noch knapp die Hälfte erwerbstätig ist, ist die Regelaltersgrenze als Planungsdatum oft zu spät.

Dürfen Beschäftigte nach Erreichen der Regelaltersgrenze befristet weiterarbeiten?

Ja. Ein Vertragsende zur Regelaltersgrenze lässt sich während des Arbeitsverhältnisses hinausschieben, auch mehrfach (§ 41 Abs. 1 SGB VI). Seit 2026 ist zudem eine sachgrundlose Befristung beim bisherigen Arbeitgeber möglich, insgesamt bis zu acht Jahre und zwölf Verträge (§ 41 Abs. 2 SGB VI). Das ist keine Rechtsberatung.

Wie hilft KI beim Wissensmanagement?

An zwei Stellen: Beim Festhalten macht sie aus aufgenommenen Erfahrungsinterviews Abschriften und Entwürfe für Arbeitsanweisungen, die die erfahrene Person nur noch prüft. Beim Finden beantwortet eine KI-Suche Fragen aus den eigenen Dokumenten mit Fundstelle. Sie findet aber nur, was festgehalten und aktuell ist.

Wird eine Weiterbildung für KI-gestütztes Wissensmanagement gefördert?

Eine KI-Weiterbildung für Beschäftigte kann über das Qualifizierungschancengesetz gefördert werden: in Betrieben unter 50 Beschäftigten bis zu 100 % der Lehrgangskosten und bis zu 75 % Zuschuss zum Gehalt, bei 50 bis 499 Beschäftigten bis zu 50 %, für Beschäftigte ab 45 bis zu 100 % der Lehrgangskosten. Ob gefördert wird, entscheidet die Agentur für Arbeit.

Euer Team fit für KI – gefördert über das Qualifizierungschancengesetz

Im kostenlosen Erstgespräch klären wir, welche KI-Weiterbildung zu der Person passt, die bei euch Wissen sichern und eine Wissensbasis aufbauen soll, ob und in welcher Höhe eine QCG-Förderung möglich ist und wie der Antrag beim Arbeitgeber-Service läuft. Dabei unterstützen wir euch. Vorab rechnen könnt ihr mit dem QCG-Förderrechner, alle Wege stehen unter Förderung für Unternehmen.

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Paul Niebler, Gründer der Scaly Academy

Paul Niebler – Gründer der Scaly Academy. Über zehn Jahre IT-Consulting mit Schwerpunkt KI, unter anderem bei IBM und mit seinem zweiten Unternehmen Pexon Consulting. Er setzt die hier beschriebenen Werkzeuge selbst täglich ein und schreibt auf, was davon im Betrieb trägt – und was nicht. Einschätzung, keine Rechtsberatung. Paul auf LinkedIn

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Über den Autor

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Paul Niebler

Paul Niebler ist Gründer der Scaly Academy und bringt über 10 Jahre Erfahrung im IT-Consulting mit Schwerpunkt auf KI-Technologien mit, unter anderem bei IBM und seinem weiteren Unternehmen Pexon Consulting. Er unterstützt Unternehmen dabei, KI praktisch und strategisch zu nutzen und vermittelt diese Kenntnisse praxisnah in seinen Kursen. Paul kombiniert technisches Wissen mit der Fähigkeit, Unternehmen bei der Digitalisierung und Automatisierung zu begleiten. So macht er Mitarbeiter zu Innovationstreibern und fördert nachhaltige KI-Anwendungen im Geschäftsalltag.

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